Beobachtungen an der Sammlung HEINRICH COTTA

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Die "Versteinerungssammlung" des Oberforstrates HEINRICH COTTA (1763-1844) wird als eine der bedeutendsten Kollektionen ihrer Zeit angesehen. Allein der Teil, welcher nach seinem Tod nach Berlin gelangte, umfaßt rund 5000 Exemplare pflanzlicher und tierischer Fossilien. Heute werden Sammlungsstücke im Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin (Institut für Paläontologie), im Museum für Naturkunde Chemnitz, an der Bergakademie Freiberg, den Staatlichen Naturhistorischen Sammlungen Dresden und im British Museum of Natural History London aufbewahrt. Wenige Teile sind leider verloren gegangen.

In [1] wird neben der Betrachtung historischer Hintergründe ein Überblick über den Inhalt des Berliner Sammlungsteils gegeben. Es lassen sich dabei auch Hinweise auf fossilführende Hornsteine aus "...dem Thonstein des Rotliegenden von Rüdigsdorf bei Chemnitz..." finden. Anläßlich eines Besuches war es mir im Sommer 2004 möglich, das Rüdigsdorfer Sammlungsmaterial zu sichten und teils auch zu dokumentieren. Mein Dank gilt Prof. M.BARTHEL und Dr. S.SCHULTKA für die freundliche Unterstützung bei diesem Vorhaben.

Heinrich Cotta
Schub 163-1
Schub 52-2
Schub 52-3
Schub 52-4
Schub 52-5
Bernhard Cotta

Der betrachtete Teil der Sammlung umfaßt 5 Schübe mit 180 Stücken. Es wurden insgesamt 99 Hornsteine mit und ohne Fossilführung identifiziert, weiterhin befinden sich 73 Kieselholzfragmente und 8 Psaronius - Achsenreste in den Kästen. Eigentlich in froher Erwartung, hier weitere Sigillariareste auf den typisch braun-schwarz laminierten Hornsteinblöcken zu finden, war ich etwas überrascht. Insgesamt 83 (!) Stücke zeigten eine Rüdigsdorf - untypische aber dennoch vertraute Struktur: starke Kantenrundung, Sandsteinanhaftung, bunte Färbungsfronten, komprimierte Psaroniusreste und Stücke mit Scolecopteris - Blättchen! Die Vermutung liegt daher nahe, daß diese Stücke nicht aus Rüdigsdorf, sondern von der Typuslokalität von Scolecopteris elegans, also ursprünglich aus Kleinnaundorf stammen. Zu dieser Theorie hier nun ein paar Ausführungen.

pro:

Historisch gesehen muß beachtet werden, daß HEINRICH COTTA im Freital nahegelegenen Tharandt lebte und ein Sammlungsteil folgerichtig "Rotliegend des Döhlener Beckens" heißt. Es ist in der Tat bemerkenswert, daß er anscheinend Material von Studenten oder Freunden erwarb und die Fundumstände teilweise ausserhalb seiner Reichweite lagen. Meiner Ansicht nach wußte er jedoch gerade als Sammler außergewöhnlicher Kostbarkeiten genau, was vor seiner Haustür zu finden war. Wie auch immer, er hat den Sammlungskatalog schließlich auch nicht verfaßt. Dieses hatte sein Sohn, CARL BERNHARD COTTA (1808-1879) nach dem Tod des Vaters besorgt. Vielleicht war dabei auch die damalige Vorstellung von einem flächendeckenden Rotliegend-Untergrund in Sachsen verantwortlich für den leichtfertigen Umgang mit Fundort - Ungenauigkeiten. Vielleicht hatte er aber auch einfach nur keine Zeit.

Rundungsgrad
Sandsteinanhaftung
Färbungsfronten
Sammlungskatalog
Scolecopteris
Psaronius
Varietäten

Rundungsgrad, Fossilinhalt, Sandsteinanhaftung und Rißstruktur sprechen bei vielen Hornsteinen der Sammlung klar für Kleinnaundorf/Burgk als Ursprungsort. Auch sprechen die vertretenen Hornsteinvarietäten und die gefundenen Färbungen und Färbungsfronten für eine Fundortverwechslung. Neben weniger spektakulären, gibt es einen recht eindeutigen Nachweis für eine falsche Etikettierung im Rüdigsdorf-Teil: ein fluoritisiertes Stück Dadoxylon sp., welches sehr sicher Chemnitz-Hilbersdorf zuzuordnen ist. Übrigens sind auch Hornsteine und Kieselhölzer vertreten, welche meiner Ansicht nach wirklich aus Rüdigsdorf stammen. Diese Hornsteine sind erwartungsgemäss fossilarm, ungerundet und gehen meist in feinen Tuff über. Die Hölzer sind ähnlich erhalten. Das Material sieht unverfrachtet, eher wie frisch abgebaut aus, was um 1800 in den Brüchen von Rüdigsdorf wohl noch möglich war.

Rüdigsdorf-Hornstein
Rüdigsdorf-Hornstein
Rüdigsdorf-Hornstein
Rüdigsdorf-Hornstein
Rüdigsdorf-Kieselholz
"Psaronius helmintholithus"
"Psaronius porosus"

contra:

Mit meiner Behauptung wird der verdiente Freiberger Professor BERNHARD COTTA zum "Verdächtigen Nummer eins". Berechtigterweise gibt es natürlich Zweifel, ob er nach seiner wissenschaftlich wertvollen Publikation von 1832 nicht von den Unterschieden zwischen Hornsteinen aus Kleinnaundorf und Rüdigsdorf gewußt haben mußte. Hier ist noch einiges an Geschichtsforschung angesagt.

Wenn Belege an historischen Fundstellen (noch) nicht wieder gefunden werden konnten, ist das kein Beweis dafür, daß es diese dort nie gegeben hat. Also, vielleicht gab es in Rüdigsdorf ähnliche Ablagerungsbedingungen wie im Döhlener Becken? Dieser Punkt kann vielleicht durch ortskundige Geologen noch abschließend geklärt werden.

Ansätze:

Man könnte natürlich Proben entnehmen, Zusammensetzung und Alter bestimmen. Da das Ganze sehr aufwendig und teuer ist, sollten vorher jedoch einfacher zu prüfende Dinge untersucht werden. Zum Beispiel BERNHARD COTTA's Originalkatalog, denn die Stücke wurden nicht immer fortlaufend nummeriert. Vielleicht lassen sich Rückschlüsse auf eine Zusammengehörigkeit ziehen. Weiterhin sollten Stücke aus dem Döhlenbecken-Teil der COTTA-Sammlung direkt mit fraglichen Rüdigsdorf-Stücken verglichen werden. Vielleicht passen ja welche zusammen? Na gut. So viel Glück haben wir wahrscheinlich nicht. Die Forschungen werden jedenfalls fortgesetzt.

Nachtrag:

Im Sommer 2005 war es dann soweit. Die fraglichen Stücke wurden eingehend untersucht. Ein direkter Nachweis für eine Fundortverwechslung glückte leider nicht, dennoch fanden sich weitere gewichtige Indizien. So stellte sich zum Beispiel heraus, daß die Nummerierung der Stücke anscheinend fundortbezogen erfolgte. Erfreulicherweise mündeten die Untersuchungen in einer Veröffentlichung im Chemnitzer Museumsheft [2]. Dort werden die Ergebnisse zusammenfassend dargestellt.

Aufnahmen: H.SAHM/Dresden, Text & Aufnahmen: R.KRETZSCHMAR/Chemnitz

[1]

H.SÜSS & P.RANGNOW: Die Fossiliensammlung HEINRICH COTTA's im Museum für Naturkunde der Humbold-Unviversität zu Berlin, in: Neue Museumskunde 1/84, Jahrgang 27, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften.

[2]

R.KRETZSCHMAR: Neue Erkenntnisse zur Paläontologischen Sammlung HEINRICH COTTA (1763-1844), in: Veröffentlichungen des Museums für Naturkunde Chemnitz, Band 28 (2005), S. 49-56

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