Durchschaut

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Was fasziniert uns eigentlich an Kieseltorfen? Es gibt verschiedene Gründe. Mineralogen interessieren sich für den Verkieselungsprozess, Geologen für den Bildungsraum, Paläontologen für die fossilen Lebewesen und manchem Ästhet gefällt das eine oder andere polierte Fundstück einfach. Herausragend ist meiner Meinung nach die Tatsache, daß sich in den Siliziten dreidimensional erhaltene Zellgewebe finden lassen. Die Faszination des Ganzen wird deutlicher wenn man sich überlegt, wie mit unseren heutigen, vermeintlich "modernen" Mitteln diese 3D-Daten für ein paar hundert Millionen Jahre zu konservieren wären. Einfrieren? Plastinate? Virtuell modellieren und auf CD brennen? Lächerlich, oder? Verblüfft müssen wir uns eingestehen, etwas auf fantastische Weise Einzigartiges, nicht Reproduzierbares vor uns zu haben.

Wie immer gibt es einen kleinen Haken an der Sache. Es existiert momentan keine Möglichkeit, zellerhaltene Gewebe in Kieseltorfen bis ins kleinste Detail zerstörungsfrei zu scannen. Es bedarf intensiver Forschungen in alle Richtungen, um ein entsprechendes Verfahren zu finden. Möglicherweise gibt es auch in Zukunft keines. Aber Kopf hoch! Immerhin bleibt uns ein riesiges Arsenal an Untersuchungsmethoden übrig. Auch lohnt ein Blick in artverwandte Forschungen wie denen zu Bernsteininklusen oder den sogenannten "Coal-Balls", auch die Kombination von Methoden kann zu faszinierenden Erfolgen führen, wie im Folgenden zu sehen ist.

 

Abb.1: Kieseltorf-Scheibe im Auf-oder Durchlicht

 

Abb.2: kleine Achse mit stachelartigen Fortsätzen im Durchlicht

 

Abb.3: ansitzende Farnblättchen im Durchlicht

Die Matrix dieses Hornsteines ist leider nicht sehr transparent, so dass die dreidimensional erhaltenen Pflanzenreste im Auflicht nur in der Nähe der polierten Oberfläche zu sehen sind. Hält man die Scheiben vor eine stärkere Lichtquelle wird schnell klar, daß sich im Durchlicht weitere Beobachtungsmöglichkeiten bieten (Abb.1). Zum Vorschein kommen Pflanzenorgane, deren Stellung zueinander vorher nur zu erahnen war (Abb.2 & Abb.3). Die Scheiben können mit rund 7mm Dicke nicht als Dünnschliffe bezeichnet werden und man benötigt eine sehr helle Lichtquelle, um die Steine auf diese Weise untersuchen zu können. Kaltlicht sei angeraten um die Probe nicht über Gebühr zu erhitzen. Zur Scheibendicke kann leider kein Patentrezept gegeben werden. Schneidet man zu dünn, verliert man 3D-Daten. Schneidet man zu dick, kommt nicht genügend Licht an die abzubildenden Strukturen. Anscheinend sind die gewählten 7mm für Beobachtungen ein guter Kompromiss, für mikroskopische Aufnahmen sollte es vielleicht ein wenig dünner sein. Sehr gut lässt sich die Durchlichtmethode wahrscheinlich nach dem Schneiden einsetzen um die Risiken und Erfolge beim anschliessenden Polieren abschätzen zu können!

Ein herzlicher Dank geht an GERT MÜLLER für die Anregung zu diesem Beitrag. Beide Scheiben wurden von Ihm freundlichst für Untersuchungen zur Verfügung gestellt. Die Bilder sollen dazu anregen, Kieseltorf-Fundstücke möglichst genau und umfassend zu untersuchen. Unorthodoxe Methoden sind dabei ebenso angebracht wie ein prüfender Blick auf "verwandte" Forschungsgebiete. Auf diese Weise werden den Steinen zukünftig noch einige bisher verborgene Informationen zu entlocken sein.

Text & Aufnahmen: R. KRETZSCHMAR/Chemnitz

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