"Nur ein Kieselschiefer"

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Diese enttäuschende Bemerkung hört man oft bei Exkursionen. Zu oft. Gerade beim Suchen nach Rotliegend-Hornsteinen in Sachsen begegnen uns die schwarzen Silizite mit den weiß gefüllten Rissen zu Hunderten. Seltenere bunte Exemplare narren uns besonders und gaukeln tolle Funde vor. Aber auch umgekehrt stiftet er Verwirrung. So wurden die in der Kiesgrube Nobitz massenhaft vorkommenden Kieseltorfe lange Zeit für Kieselschiefer gehalten. Anscheinend haftet dem Begriff das Image des Wertlosen an. Für Freunde fossilführenden Hornsteins ist es jedoch gar nicht so abwegig, Kieselschiefer genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn auch hier handelt es sich um Silizite, welche einen Lebensraum abbilden können und zwar einen marinen.

Ein eher zufällig mitgenommener Fund aus der Kiesgrube Lauta bei Senftenberg (Lausitz) wird im Folgenden gezeigt. Es handelt sich um ein kleines prismatisches Bruchstück mit ausgeprägter Kantenrundung, dessen primäres, sicher paläozoisches Lager nur schwer zu bestimmen sein wird. Innerhalb der geschichteten Struktur befinden sich einige mehr oder weniger gut erhaltene kugelige Strukturen. Diese fallen weniger durch ihre Größe (alle Objekte sind deutlich kleiner als 1mm) als durch guten Kontrast auf. Einige Gebilde sind sehr gut erhalten. Abb.2 erinnert strukturell an einen Schwamm. Bei der in Abb.3 gezeigten Struktur handelt es sich wahrscheinlich um eine Radiolarie, da sich hier radial angeordnete, nach innen gerichtete Fortsätze finden lassen.

 

Abb.1: verfrachteter Kieselschiefer, Übersicht

 

Abb.2: schwammartige Struktur im Kieselschiefer

 

Abb.3: kugelige Struktur, eine Radiolarie?

Vielleicht regen diese Bilder ein Umdenken bei Sammlern an. Immerhin hat es sich gelohnt, dieses unscheinbare Stück mitzunehmen, zu sichten und polieren zu lassen. Das Mikroskopieren aller ungewöhnlichen Strukturen in Siliziten macht dabei nicht nur Spaß, sondern kann jederzeit auch zu unerwarteten Entdeckungen führen.

Text und Aufnahmen: R.KRETZSCHMAR/Chemnitz

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