Habitat im Lebensraum

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Chemnitzer Psaronius-Farnstämme haben anhand ihrer vorzüglichen Erhaltung und Farbenpracht weltweit Beachtung gefunden. Vor allem bunt achatisierte, große Luftwurzeln bringen die Augen des Betrachters zum Glänzen. Diese lianenartigen Gebilde entsprangen dem Farnstamm oberhalb des Erdbodens und bildeten einen nach unten dicker werdenden Saum. Im Gegensatz zu den inneren Luftwurzeln waren die äußeren nicht in ein Grundgewebe (Parenchym) eingebettet, sondern stellten eher ein luftiges „Dickicht“ dar, welches sich auch als Lebensraum für Epiphyten eignete. So konnten bereits einige verschiedene Kletterpflanzen in und an Chemnitzer Psaronien nachgewiesen werden [1].

In Rotliegend-Kieseltorfen sind Psaronius-Luftwurzelmäntel häufiger Bestandteil. Leider ist die Erhaltung oft nicht besonders gut, da die Wurzel-Rohre unter Belastung quer zur Längsachse flach zusammen gedrückt wurden, bevor sie verkieselten. Auch wird die Basis des Farnstammes durch sein Umknicken meist stark deformiert. Ein von H.SCHLESIER/Leukersdorf aus der Kiesgrube Nobitz geborgener Hornstein zeigt dennoch deutlich, daß es grundätzlich möglich ist, das Habitat „Luftwurzelmantel“ im Lebensraum „Sumpf“ nachzuweisen.

Abb.1: Hornstein mit Psaronius-Luftwurzelmantel

Abb.2: Kletterpflanzen-Wurzel im Psaronius-Luftwurzelmantel

Abb.3: diarche Luftwurzel einer Kletterpflanze

 

Abb.4: Sphärolithe und Hämatit in der Matrix

Bei dem Fund handelt es sich um eine grau-braune Hornsteinvariante, welche durch klare Matrix, Hämatitbereiche und achatisierte Stellen auffällt (Abb.1 & Abb.4). Im hellen Zentrum des Sückes ist die Zellerhaltung ausgezeichnet und es lassen sich einige Psaronius-Luftwurzeln anhand der typischen sternförmigen Leitbündel identifizieren (Abb.2). Erkennbar sind auch die Sklerenchym-Ringe um die Leitbündel herum sowie Parenchymzellen inner- und außerhalb der Wurzeln. Im Durcheinander der Gewebe finden sich jedoch auch kleine, diarche Leitbündel mit exarch angeordnetem Protoxylem sowie einer umgebenden Rinde (Abb.3). Wie in [1] beschrieben, könnte es sich dabei um die Luftwurzeln von Tubicaulis oder Ankyropteris handeln. In [2] wird eine Pflanze aus dem Perm Brasiliens gezeigt, welche mit ihrer triarchen Stele wahrscheinlich zu Sphenophyllum gehört. In der Peripherie dieser Achse ließen sich ebenfalls kleine diarche Luftwurzeln finden.

Text & Aufnahmen: R.KRETZSCHMAR/Chemnitz

[1]

RÖSSLER, R. (2001): „Alternative Wuchsformen - die Sieger beim Ringen um Licht, Nahrung und Schutz“
in: Der versteinerte Wald von Chemnitz, Museum für Naturkunde Chemnitz.: 138-159

[2]

NOLL, R., RÖSSLER, R. & ROYKO, R.(2004): "Neue permische Pflanzen und deren ungewöhnliche Wuchsorte"
in: Veröffentlichungen des Museums für Naturkunde Chemnitz 27: 29-38

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