Bärlappreste aus dem Rotliegend Nordwestsachsens

for english version click here!
 

Wenn von rotliegendzeitlichen fossilen Überlieferungen der Klasse Lycopodiales die Rede ist, dann liest man oft vom eindeutigen Rückgang dieser urtümlichen Sumpfbewohner zu Gunsten anderer Pflanzengruppen. Das liegt wohl vor allem daran, daß sich nur selten eindeutige Reste nachweisen liessen und diese wahrscheinlich nur zu einer einzigen Sigillaria - Art gehören. H.B.GEINITZ deutete kleine gegabelte Blättchen mit "Fruchtgebilde" an der Basis als Sigillariostrobus bifidus. Gefunden wurden diese im Becken von Weissig und im Saalhausener Brandschiefer. Mit einer solchen Deutung anscheinend sehr unzufrieden, stellt J.T.STERZEL diese Reste zu Dicranophyllum bifidum und zweifelt das Vorkommen von Sigillaria an und zwar nicht nur für Weissig. In seiner Fossilliste für das Rotliegend Nordwestsachsens fehlen die Sigillarien. Sicher wurde Subsigillaria brardii BRONGNIART von M.BARTHEL 1976 für die Döhlener Schichten belegt.

Heute sind Makrosporen von Bärlappen bis in den Zechstein nachgewiesen (Quelle: D.UHL/Tübingen). In Nova Paka kommen Bärlappreste wie Stigmarien und Fruktifikationen, sowie auch silifizierte Stammreste in teils sehr guter Erhaltung vor. Hier bieten sich definitv Vergleiche an, trotz der bestehenden Fragezeichen hinter der zeitlichen Einordnung der tschechischen Stücke.

Der historische Fundort Rüdigsdorf geriet nach Schließung der Brüche (wie die permischen Bärlappe) leider etwas in Vergessenheit. Er wird bereits 1901 von A.ROTHPLETZ als "schon seit längeren Jahren auflässig" bezeichnet. Jedoch ist schon bei A.V.GUTBIER von Hornsteinen mit Farnabdruck die Rede und in der Sammlung COTTA (MfN Berlin) befinden sich Hornsteinbelege. H.B.GEINITZ beschreibt in seinem Perm - Werk "Dyas" neben dem Rüdigsdorfer Hornstein "...ähnliche, 6 Zoll (ca. 15 cm) dicke Platten..." aus der Gegend von Saalhausen als "...ungewöhnliche und daher gleichfalls sehr zu beachtende Schichten...." des Rotliegenden. Es scheint H.B.GEINITZ war ein weitsichtiger Mann.

Auf der Suche nach potentiellen Quellen für die eiszeitlich verfrachteten Kiesgrubenhornsteine aus Neuenmörbitz und Schömbach entdeckten wir 2002 auch Rüdigsdorf "neu". Die typischen (also die mit Abstand meisten) Rüdigsdorf - Hornsteine zeigen eine schwarz/braun/rote, laminierte Struktur, meist ohne erkennbaren (Zell-) Inhalt. Es wurden Schichtdicken von wenigen Zentimetern bis über 15 cm einschliesslich der beiden hellen Deckflächen beobachtet. In Kiesgruben wird auch diese Hornsteinart gerundet, gekritzt, umgefärbt und gebleicht gefunden (ein Beispiel fast ohne Umlagerungsspuren ist P002Ho aus Neuenmörbitz).

Sehr seltene Exemplare dieses Hornsteintyps zeigen auf den Deckflächen im Schattenlicht deutlich, was im Anschliff nicht einmal zu ahnen ist: Bärlappreste! Die folgenden Bilder zeigen Stigmaria ficoides - Abdrücke und auch Rindenreste im Syringodendron - Zustand. Ein Erhaltungszustand, der z.B. Paläobotanikfreunden des Westfal D im Lugau-Oelsnitzer Revier gut bekannt sein dürfte. Kleine Leitbündelnarben stehen paarig in Quincunx zwischen deutlichen, dicht stehenden und längs des Stammes laufenden Leitbündeln. Bei Syringodendron sp. handelt es sich um die Abdruckerhaltung von Rindenschichten, welche sich in mehreren Ebenen unter den äusseren Blattnarben des Rindenbaums befinden. Die hier gezeigten Stücke wurden in Neuenmörbitz, Rüdigsdorf und Wolftitz gefunden.

Sind die laminierten Hornsteine aus Rüdigsdorf als dichtgepackte Sigillarien - Rindenpakete zu interpretieren? Sind vielleicht deshalb recht selten andere hornsteintypische fossile Strukturen (z.B. Psaronius - Wurzeln) enthalten? Wie können wir solche Reste identifizieren ohne die Abdruckerhaltung auf den Deckflächen? Zum Beispiel gerundet durch einen eis- oder kreidezeitlichen Transport? Die Antwort lautet leider: "Derzeit gar nicht!". Damit schliesst sich eine sehr wichtige Frage an: In wievielen laminierten Hornsteinen anderer Fundorte sind Bärlappreste enthalten ohne dass wir sie sehen? Weitere Aufsammlungen an Rotliegend - Hornsteinfundorten und vor allem genaue Beobachtungen an den bereits vorhandenen Fundstücken sind dringend notwendig.

1. Nachtrag:

Wir haben natürlich weitergesucht und wurden im Sommer 2003 an anderer Stelle fündig. Die Kiesgrube Altenburg-Nobitz erbrachte Hornsteine, auf denen Sigillaria - Rinden nicht nur im Syringodendronzustand erkennbar sind. Anhand der sehr deutlichen Rindenabdrücke scheint eine Zugehörigkeit zu Subsigillaria brardii gesichert. Eine genaue Beschreibung steht noch aus. Hier vorab einige Bilder dieser seltenen Belege.

2. Nachtrag:

Es zeigt sich auch weiterhin, dass die Bärlappe immer für eine Überraschung gut sind. 2003 wurde von mir unter anderem ein recht unscheinbarer Hornstein in Nobitz aufgesammelt. Beim Durchschauen des Stückes stiess ich an einer helleren Ecke auf eine Zellstruktur, welche sehr ungewöhnlich aussah. Da kaum etwas genaues zu sehen war, wurde das Stück vertikal und horizontal getrennt. Beim Fotographieren in Dresden entdeckte H.SAHM dann die bekannten paarigen Male in der Zellstruktur, die mir bis dahin leider verborgen geblieben waren. Rein zufällig ergaben die Schliffe also die Abbildung eines Quer- und eines Tangentialschnittes durch ein teils zellerhaltenes(!) Stück Bärlapprinde im Syringodendronzustand. Es ist schon eine erschreckende Vorstellung, dass in einem so unscheinbaren Stück solch spannende Strukturen zum Vorschein kommen.

3. und letzter Nachtrag:

Wie versprochen, hier nun noch ein paar abschliessende Bilder zum Thema Rotliegend - Bärlappe aus Nordwestsachsen. Nach einiger Suche wurden in der Kiesgrube Nobitz Stigmaria cf. ficoides - Abdrücke und auch ein hervorragend erhaltener Subsigillaria brardii - Abdruck (jeweils auf Hornstein) gefunden. Das Rindenstück lässt sich sehr gut mit dem von M.BARTHEL abgebildeten Exemplar aus dem Döhlener Becken vergleichen! Ein würdiger Abschluss für diesen Beitrag, wie ich finde.

Fazit:

Angesichts der oft spärlichen Funde nur einer Sigillaria - Art ist natürlich stark anzunehmen, daß die Vielfalt der Bärlappe im Rotliegend dramatisch abnahm. Dieses muß jedoch nicht zwangsläufig bedeuten, daß sie auch quantitativ auf dem Rückzug waren. Die altertümlichen Rindenbäume waren im Perm anscheinend noch immer in der Lage, sich in Wassernähe neben Konkurrenten wie Farnen und Schachtelhalmen zu behaupten. Das beweisen die hier gezeigten Funde recht überzeugend.
Leider sind Bärlappreste im Hornstein oft schwer erkennbar und es gibt nur wenig wirklich gut zellerhaltenes Material (wie z.B. P303Ho). Auch fehlen uns noch weitere Teile der Pflanze Subsigillaria brardii, zum Beispiel strukturerhaltene Sporenzapfen, Blätter und Stämme oder auch die Abdrücke der Beblätterung und Zapfen. Nicht nur solche Funde scheinen in Nordwestsachsen nun erstaunlicherweise möglich. Vielleicht finden wir sogar noch Reste weiterer Arten? Auszuschliessen ist das immerhin nicht.
J.T.STERZEL und H.B.GEINITZ hätten sich bei diesem Kommentar wohl kurz angeblickt und lächelnd den Kopf geschüttelt.

Aufnahmen: H.SAHM/Dresden, Text & Aufnahmen: R.KRETZSCHMAR/Chemnitz

zurück