Neues aus Schallodenbach

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Der Tuff 2 der Donnersbergformation enthält hart silifizierte, fossilführende Hornsteine, welche als Lesesteine in der Nähe von Schallodenbach zu finden sind. Die Diversität der fossilen Reste ist offenbar nicht sehr gross. Meist handelt es sich um winzige Gymnospermenwurzeln, Algenreste, Holzfragmente sowie um Ostracodenschalen. Das hier vorgestellte Stück gehört zu den seltenen Hornsteinbelegen mit anderen, gut zellerhaltenen Pflanzenresten, welche es bevorzugt zu untersuchen gilt.

Es handelt sich um ein etwa faustrosses Stück mit heller Matrix ohne erkennbare Schichtung. Der Hornstein ist stark gerissen, jedoch sind viele der Risse wieder "verheilt", manche sogar mit weissem Achat gefüllt. Sowohl Farbe als auch Verkieselungsgrad der Matrix variieren im Bereich einer Deckfläche. Im Schliff sind schwarze Holzfragmente erkennbar, deren Kanten mehr oder weniger gerundet sind. Diese Kantenrundung ist durch Abrollung bei Transport oder durch Abbrennen (Holzkohle) erklärbar. Eine Zellreihe breite Markstrahlen weisen auf Gymnospermenholz vom Dadoxylon-Typ hin, genaueres bedarf weiterer Schliffe und Untersuchungen. Eingestreut zwischen den Holzstücken finden sich filigranere Reste wie kleine Zweige und Blättchen. Trotz wenig transparenter Matrix lassen sich anhand der zweidimensionalen Schnittbilder interessante Beobachtungen zur Anatomie dieser Pflanzenteile machen.

 

Abb.1: Hornstein mit Pflanzenfragmenten

Eine dieser Strukturen wird im folgenden Bild gezeigt. Es handelt sich um das Fragment eines kleinen Astes mit ansitzenden Blättchen im leicht schrägen Längsschnitt. Zu erkennen ist eine segmentierte Hauptachse. An den vier Verdickungen (Nodien) sitzen recht lange Blättchen an. Sehr wahrscheinlich gehören die umliegenden kleinen Querschnitte ebenfalls zu Blättern dieses Zweiges. Noch interessanter ist deren Form direkt in Achsennähe. Die Blättchenunterseite formt dort eine kleine Wulst aus und bildet somit den oberen Abschluss für einen Hohlraum zwischen den Nodien. Möglicherweise lagen hier einst die Sporenbehälter. Es gibt eine gewisse Ähnlichkeit mit Metacalamostachys dumasii - Sporenzapfen aus Chemnitz-Altendorf, das Auftreten von Calamites gigas - Stammabdrücken in den Schichten der Donnersbergformation spricht für eine solche Vermutung. Leider sind die Blättchen viel länger als die kurzen Brakteen der sächsischen Zapfen. Vielleicht deutet das Fehlen der Sporen und die Länge der Blättchen aber auch darauf hin, dass es sich hier um den basalen Teil eines Strobilus bzw. um einen zapfentragenden Zweig handelt.

 

Abb.2: zapfentragender Zweig oder Sporophyllähre mit langen Blättchen

An anderer Stelle ist ein schräg geschnittener Zweig mit umliegenden Blättchen erhalten. Die Schnittebene verläuft vermutlich durch ein verdicktes Nodium, denn ein Blattansatz in Form einer kleinen Ausbuchtung der Hauptachse ist zu sehen. Das Leitbündel dieses Blattes steht noch nahe am Leitbündel des Ästchens (Abb.3). Zur Anatomie der Blättchen: Zu erkennen sind eine dünne Epidermis (nur eine Zelle dick) und darunter eine dickere Schicht (ca. 0,2mm) verschiedener parenchymatischer Zellen. Im Palisadenparenchym befand sich das Chlorophyll welches bekanntlich zur Photosynthese benötigt wird, während das Schwammparenchym (auch als Transpiratorgewebe bezeichnet) eher zur Blättchenunterseite gehören dürfte. Im unmittelbaren Bereich der Achse gehen die Gewebeformen ineinander über, da die Blätter hier sehr steil stehen. Weiter entfernt findet sich dann ein klare Aufteilung in Blattoberseite (Palisadenparenchym) und Blattunterseite (Schwammparenchym) (Abb.4, rechts).

 

Abb.3: schräg geschnittener Zweig mit Blättchenquerschnitten

 

Abb.4: Blättchen mit Palisaden- und Schwammparenchym

Im vorliegenden Stück sind noch weitere gut zellerhaltene Pflanzenfragmente zu finden, welche mittels neuer Schnitte untersucht werden sollen. Auch die hier gezeigten Strukturen sind noch nicht restlos erforscht (z.B. wäre eine Suche nach Spaltöffnungen lohnenswert!). Die genaue Beobachtung und Auswertung von zweidimensionalen Schnittbildern kann den Stücken interessante Informationen entlocken und möglicherweise zur Rekonstruktion von Pflanzenorganen führen.

Text & Aufnahmen: R. KRETZSCHMAR/Chemnitz

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