... Tips und Tricks für den Hornsteinjäger ...

 

Vorbereitungen

Bevor wir losziehen, an dieser Stelle ein paar Zeilen zur Vorbereitung. Natürlich können wir auch einfach mal ins Blaue aufbrechen um nach Hornsteinen zu suchen, Quarze sind schließlich an vielen Stellen zu finden! Die von uns begehrten Silizite jedoch sind (leider) wesentlich seltener.

Aktiv Fossilien zu sammeln, kann man vielleicht am besten mit einer Schatzsuche vergleichen. Und diese Jagd beginnt fast immer mit Informationen aus der Literatur. Je älter, desto besser mag man manchmal meinen, denn Kartenmaterial und auch entsprechende Literatur sind oft noch vor 1900 entstanden. Herauszuheben sind die Karten des Landvermessungsamtes Sachsen, welche vor gut 100 Jahren durch kartierende Geologen, wie CREDNER und ROTHPLETZ erstellt wurden und meist bis heute ihre Gültigkeit nicht verloren haben (links). Also erst informieren und lesen, dann loslaufen! Hornstein im Anstehenden zu finden bildet dabei eher die Ausnahme, verfrachtete Exemplare lassen sich wohl um einiges besser sammeln. Kiesgruben und deren Überkornhaufen sind dabei potentielle Fundorte. Die Abbaue sind zum Beispiel in einfachen Wanderkarten eingezeichnet.

Natürlich können wir nicht einfach auf Privatgelände herumspazieren, vor allem in Gefahrenbereichen (zu denen Kiesgruben mit ihren Schwermaschinen nun einmal gehören) ist mehr als Vorsicht geboten. Es ist nicht nur rechtlich erforderlich, nach einer Erlaubnis zu fragen, sondern auch sinnvoll, den Kontakt zu Ortsansässigen herzustellen. Auch hier sind oft wichtige Informationen zu bekommen! Nur Mut! Vielleicht entpuppt sich der mistgabelschwingende Bauer als freundlicher Naturliebhaber und der kläffende Rottweiler als prima Madensteinsuchhündchen! ...Naja vielleicht auch nicht... 8)>

 

 
 
   

Equipment ...

...auf deutsch Ausrüstung wird eigentlich für einen Hornsteinausflug nicht dringend benötigt, erleichtert aber manche Dinge merklich. Zur Grundausrüstung sollten daher Rucksack (oder Stoffbeutel), Lupe, Bürste(n), Geologenhammer (oder was anderes zum kratzen) und eine mit Wasser gefüllte Spritzflasche gehören. Die normale Exkursionsausrüstung wie festes Schuhwerk, Gummistiefel (vor allem in Kiesgruben sehr angebracht!) entsprechende Kleidung, Sonnencreme, Mückentötolin, Getränke und Essen, Karten, Kompass, Stift und Zettel, Fotoaparillo und Findebrille brauche ich wohl nicht näher zu erwähnen. Nur eines: je mehr Gepäck desto schwerer! (vor allem auf dem Rückweg...) und noch etwas: Obststiegen aus fester Pappe (gibts kostenlos in der Kaufhalle) eignen sich sehr gut als Hornsteinaufbewahrungs- und Transportmöglichkeit!

 
 
 

die Sprühflasche ...

...ist wohl neben der Lupe das wichtigste Utensil. Damit sind wir in der Lage, auch für stärker verschmutzte Steine schnell zu entscheiden, ob es sich um Hornstein handelt oder nicht. Wer will schon kiloweise kristalline Quarze heimschleppen und dort entsetzt feststellen, dass alles umsonst war? Vor allem in Kleinnaundorf/Burgk wurde deutlich, dass es wegen dem anhaftenden Sandstein schon recht schwierig ist, Hornstein von inhaltlosen Quarzen zu unterscheiden (ich bin diesem Irrtum leider mehrfach aufgesessen). In Kiesgruben sind die Steine auf dem Überkornhaufen manchmal gar nicht oder nur wenig durch Regen gereinigt, deshalb auch hier: Spritzflasche einpacken! Handelt es sich bei den gesuchten Kieseltorfen um Flußfunde, wird die Spritzflasche natürlich zum Ballast. Dann reichen ein paar Bürsten. Es gibt natürlich auch noch andere Strategien, Wasser mit zum Fundort zu nehmen: zum Beispiel in einem Eimer mit ein paar schwimmenden Holzstücken darin (um das Herausschwappen zu verhindern) Auch lassen sich ein paar alte Colaflaschen (z.b. dos litros) füllen und mitnehmen. In Kiesgruben sind jedoch oftmals Tümpel, in denen wir auffüllen können. (Auch hier Vorsicht! Das ist manchmal wirklich gefährlich an diesen Stellen! Versackungsgefahr!) Der Mercedes unter den Spritzflaschen hat übrigens eine stufenlose Verstellung zwischen feinem Sprühnebel und scharfem Strahl und macht keinerlei lästige Geräusche!

 

 

 

Natürlich lassen sich die Sprühflaschen auch dazu benutzen, Sammelkollegen für ihr Finderglück zu bestrafen. (Bitte auf Chancengleichheit achten, es sollte jeder eine Sprühflasche haben, im Winter unangebracht)

Von der Unsitte, vermeintlich saubere Steine zur Hornsteinkontrolle anzulecken, ist dringend abzuraten. Durch den leicht splitternden, teils skalpellscharfen Chalzedon kann es zu bösen Verletzungen in Rachenraum und Speiseröhre kommen! (kein Witz, ist ernsthaft passiert!)

 
 
 

 

Geologenhammer

Dieses Utensil gehört sowieso dazu, mag man meinen. Dem ist aber eigentlich nicht so. Wir benötigen ihn nur zum Kratzen oder zum Buddeln.

".... Beim Fund von Hornsteinen ist dringend davon abzuraten, diese aufzuschlagen. Das Bearbeiten von Hornsteinen mit dem Hammer verrät Unkenntnis der Sachlage. Die übliche Praxis des Sammelns von Fossilien führt hier nicht zum Erfolg und kann einzigartige Stücke zerstören. Mit einiger Erfahrung kann man den Hornsteinen fast immer von aussen ansehen, ob sie Pflanzenfossilien enthalten...." ein Zitat von H.-J.WEISS/Rabenau, dem ist nichts hinzuzufügen.

 
 
 

Präparation

Viel bessere (weil überhaupt welche...) Ergebnisse, als einen Hornstein zu zerschlagen, bringen die folgenden Vorgehensweisen...

1. SÄUBERN:

Die Fundstücke sollten (möglichst noch vor Ort) gründlich gereinigt werden, das gilt vor allem für verfrachtete Steine. Für Hornstein aus dem Anstehenden (z.B. Altendorfer Hornsteinplatte im resedimentierten Tuff) gilt das definitiv nicht, denn es könnten wichtige Reste aus der Schicht darüber und darunter hinfortgespült werden, also Vorsicht! Es können alle handelsüblichen Bürsten verwendet werden. Ausrangierte(!) Zahnbürsten lassen sich gut für das Säubern kleiner Strukturen verwenden. Bei hartnäckigen Belägen (z.B. bei Flußfunden) leistet Ata oder anderes Scheuerpulver gute Dienste. Dabei bitte immer auf die Deckflächen achten, da diese auch Abdrücke etc. zeigen können. Sollte sich ein Belag dennoch hartnäckig weigern, kann auch zum leichten Sandstrahlen gegriffen werden. Der Hornstein sollte dazu stark verkieselt sein, die Oberfläche wird dann zwar etwas matt, aber Strukturen sind nach dem Befeuchten gut erkennbar.

2. SCHNEIDEN / POLIEREN:

Nachdem wir die gesäuberten Stücke durchgesehen haben und vielleicht schon von aussen pflanzliche oder gar tierische Strukturen erkennbar sind, steigt das Verlangen, einen für eine nähere Untersuchung erforderlichen Anschliff herzustellen oder herstellen zu lassen. Wenige Glückliche haben selbst die Möglichkeit, Steine zu schneiden und qualitätsgerechte Anschliffe zu fertigen. Die benötigte Zeit, der Verschleiß an Material und Maschinen und die nötige Erfahrung sind jedoch nicht zu unterschätzen bei einer Entscheidung für eigenes Gerät. Sicher ist das aber billiger auf die Dauer. Doch auch wenn man sich auf die Arbeit erfahrener Polierer verlassen kann ist das eine gute Sache. Bei manchen Firmen kann man beim Schneiden sogar dabei sein und danach direkt entscheiden, was zum Polieren geht und was lieber gleich in die Tonne wandert (weil es z.B. eben doch nur ein schlecht erhaltenes Dadoxylon - Fragment war...). Manche Steinbearbeiter geben Ober - oder Untergrenzen für die Steingrössen an.

Zu beachten sind aber vorher noch einige Dinge. Hornstein ist oft gerissen und sehr spröde. Daraus resultiert die Gefahr, dass die Steine beim Schneiden einfach zerplatzen. Entgegentreten kann man diesem, indem man vorher die Risse des getrockneten (keinesfalls frisch gewaschenen!) Hornsteins mit etwas flüssigem Sekundenkleber beträufelt. Dieser zieht schnell in die Ritzen ein und sichert unseren Kieselsumpf ausreichend vor dem Zersplattern. Bei manchen Anschliffen lohnt sich das Harzen der Oberfläche vor dem Polieren, damit sollen vor allem Risse verschwinden und eine höhere Stabilität erreicht werden.

Recht schwierig kann die Entscheidung für eine Schnittebene sein. Sind von aussen schon Achsenstrukturen zu sehen, kann durch das Trennen die Abbildung eines Längs- oder Querschnittes versucht werden. Üblich ist das Anschneiden quer zur Schichtung, also vertikal durch den Hornstein. Unterschiedlich gerichtete Anschnitte ergeben bei gleichem Fossil unterschiedliche Bilder, die erst einmal gedeutet sein wollen. Hier muss wohl jeder so seine Erfahrungen machen. Ein allgemeines Erfolgsrezept gibt es (leider und glücklicherweise) nicht.

 

 
 
 

 

Auswertung

Leider und Gottseidank können wir ja nicht immer nur draussen rumlatschen auf der Suche nach Siliziten oder dem Polierer auf die Finger schauen. Die Auswertung der Stücke ist letztendlich die Hauptbeschäftigung, das Ziel des Ganzen.

Einige wenige Dinge sind m.E. nach zu beachten. Dazu gehört eine klare, unmissverständliche Beschriftung der Stücke. Absolute Mindestangabe ist der Fundort. Über die Angabe weiterer Daten kann man sich streiten, ich denke es ist eigentlich ein leichtes, z.B. das Funddatum zu notieren. Ich bewundere manche Sammler, die mit absoluter Sicherheit sagen können, wo ein Stück herkommt und wann sie es gefunden oder erworben haben. Leider habe ich es schon öfter erlebt, dass mir solche Daten abhanden kamen. Den Fundort kann man dann vielleicht rekonstruieren (bei Kiesgruben sehr schwierig, aber wichtig) beim Datum wirds schwerer. Nichts ist dann schlimmer, als nicht hundertprozentig zu wissen woher es nun wirklich stammt. Diesem kann man leicht(!) vorbeugen indem man Fundort und Datum konsequent notiert und vielleicht sogar weiteres festhält (Exkursionsbericht...).

In meinen Fall werden die Stücke nach dem Nummernsystem von A.E.Richter "Handbuch des Fossiliensammlers" durchnummeriert und in einer selbstgestrickten Datenbank (MS Access) erfasst. Dieses Sytem ist gedacht für eine stratigrafische (also "allgemeine" Fossilien-) Sammlung und eignet sich m.E. nach hervorragend. Man kann natürlich auch einfach fortlaufende Nummern vergeben. Aufgrund des wasser- und schmutzintensiven Schneidens und Polierens habe ich mich für die Verwendung wasserfester Materialien bei der Beschriftung entschieden (mattweiß von Revell als Untergrund und Lumocolor 313 permanent von Staedler in schwarz). Gerade bei den Stiften habe ich einige Tests durch, der Genannte war der einzige Brauchbare.

Dann brauchen wir nur noch ein Mikroskop und gute Augen. Ein Stereoauflichtmikroskop sollte es schon sein mit einer ordentlichen Lichtquelle. Mit einer zwanzigfachen Vergrößerung können wir schon Entscheidendes sichten, höhere Vergrößerungen sind manchmal notwendig. Ein solches Gerät ist eine recht kostenintensive Anschaffung, die sich aber wirklich lohnt, wenn man sich für die Natur im Kleinen interessiert. Weitergehendes zum Mikroskopieren oder Fotographieren verkneife ich mir hier einmal bewusst. Das würde den Rahmen sprengen. Dazu gibts vielleicht mal was unter Rubrik Beobachtungen.

Nur eines noch zum Hornstein allgemein. Wie uninteressant ein Kieseltorf auch aussehen mag, wie schwer er sein mag, wie wenig er in die Sammlung paßt, er bleibt als fossile Überlieferung die absolute Ausnahme und gehört damit nicht auf einen Bauschutthaufen oder eine Deponie (Das gilt vor allem für die Fundorte Freital/Burgk und Chemnitz/Altendorf). Es gibt einfach nicht genug davon, um sie unkontrolliert zu zerstreuen. Die besseren Alternativen sind immer das Museum, andere Sammler oder zur Not auch der Originalfundort als Endlager.

Damit bleibt mir nur noch Finderglück zu wünschen! 8)>

 

zurück