Hornsteine aus der mittleren Trias

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Gegenwärtig wird die Bundesautobahn BAB 38, auch bekannt als Südharzautobahn, gebaut. Die Trasse tangiert die Muschelkalkhochfläche der Querfurter Platte. In diese Hochfläche haben sich im Laufe der Erdgeschichte mehrere Bäche tief eingeschnitten. Unter anderem auch die Weida und der Weitzschkerbach zwischen den Städten Eisleben und Querfurt. Beide Täler müssen für die Autobahn durch Brückenbauwerke überspannt werden (Abb.1). Die durch die Bäche freigelegten bzw. angeschnittenen erdgeschichtlichen Formationen gehören zur Trias. Im Bereich der Weitzschkerbachtalbrücke stehen die Schichten des oberen Wellenkalkes und des Schaumkalkes aus dem unteren Muschelkalk, sowie die oberen Dolomite aus dem mittleren Muschelkalk und die unteren Bereiche des Trochitenkalkes aus dem oberen Muschelkalk an.

Beide Täler sind landschaftlich reizvoll und naturschutzrechtlich seit langem unter Schutz gestellt. In der betreffenden Schutzgebietsverordnung ist sogar das Sammeln von Fossilien ausdrücklich untersagt worden. Der Sammler ist deshalb auf Baumaßnahmen und andere sekundäre Aufschlüsse angewiesen. Mitte 2004 wurden die Fundamentgruben für die Pfeiler der beiden Autobahnbrücken ausgehoben und die Aushubmassen in der Nähe zwischengelagert. Im Bereich des Weitzschkerbaches wurden zusätzlich Einschnitte für die Baustraße bzw. die Trasse der Autobahn hergestellt (Abb.1).

Abb.1: Baustelle Weitzschkerbachtalbrücke

 

Abb.2: Schwamm/Bakterien-Stromatolith

 

Abb.3: Schwamm/Bakterien-Stromatolith mit Druse

Neben den "typischen" Muschelkalk-Fossilien fanden sich in den dolomitischen Schichten auf der Halde im Weitzschkerbachtal auch Hornsteine. Es waren die bereits 2004 auf dem 3.Hornsteintreffen vorgestellten Muschelkalkhornsteine mit verkieselten Schilllagen aus dem Grenzbereich Mittlerer/Oberer Muschelkalk. Neu war für mich das Auftreten verkieselter Stromatolithe (Abb.2 & Abb.3).

Stromatolithe gibt es bereits in 3,5 Milliarden Jahre alten Gesteinen. Oft sind es die einzigen fossilen Lebewesen darin. Später sind sie Zeigerfossilien für hochsaline Bedingungen. Unter diesen können andere Lebewesen, wie z. B. die Bakterienrasen abweidenden Schnecken, nicht mehr existieren. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, daß wir sie heute überhaupt fossil in jüngeren Schichten finden. Stromatolithe können als „normale“ Versteinerung, aber auch als „Hornstein“ auftreten.

Text & Aufnahmen: H.HUHLE/Röblingen

[1]

HAGDORN, H. (2004): Muschelkalkmuseum Ingelfingen, Edition Lattner, Heilbronn

[2]

HAUSCHKE, N. und WILDE, V. (Hrsg.) (1999): Trias, Eine ganz andere Welt, Verlag Dr. Friedrich Pfeil, München

[3]

MÜLLER, A. (1996): Stratigraphie und Fossillagerstätten im Buntsandstein und Unteren Muschelkalk des Saale-Unstrut-Triaslandes.
Terra Nostra, Schriften der Alfred-Wegener-Stiftung 96/5: 83-107, Köln

[4]

MÜLLER, A. (1996): Trias und Lias in Mitteldeutschland. Terra Nostra, Schriften der Alfred-Wegener-Stiftung 96/5: 61-81, Köln

[5]

MÜLLER, A. (2004): Saale-Unstrut-Triasland - Mittlerer Muschelkalk - Internetseite der Uni Leipzig unter www.geo.uni-leipzig.de

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